Plötzlich kaltgestellt…

Sonntagabend… Gemütlich auf dem Sofa… Da koche ich mir doch mal einen schönen Tee. Es ist ja auch so langsam das passende Wetter dafür. Tee fertig, ich sitze mit meinem Laptop auf dem Schoß auf der Couch… Plötzlich merke ich, wie mein Herz ausrastet. Laptop weggestellt, auf den Fußboden gehockt, Luft angehalten, kaltes Wasser getrunken… Nix. Herz rast weiter. Ich kenne das. Zweimal bin ich mit dem Rettungswagen abgeholt worden. Das erste Mal vom Freibad, das zweite Mal als ich meine Freundin in Bayern besucht habe (mit dem Bayrischen Roten Kreuz 😉 ). Beim dritten Mal befand ich mich gerade praktischerweise in der Reha. Die haben auch einen Kardiologen. Quasi ne günstige Gelegenheit für sowas.

Danach war dann Schluß mit lustig. Also eine Herzkatheter Ablation in Dortmund machen lassen. Das ist 1,5 Jahre her. Mit den Aussichten: das passiert jetzt nicht mehr!

Aber mein Körper hat seinen eigenen Willen. Und er hat offenbar beschlossen: ok, dann baue ich eine Umleitung, damit ich das Herz wieder aus dem Takt und zum ausrasten bringen kann. Grrr..

Gestern Abend war es dann anscheinend an der Zeit, diese neue Leitung zu testen. Bingo! Funktioniert.

Also hab ich meiner Tochter gesagt: wir müssen wohl los in die Notaufnahme. Schuhe an, einsteigen, los geht’s. An der Liegendanfahrt bin ich ausgestiegen und den Rest zu Fuß bzw. mit dem Fahrstuhl gefahren. Ich komme also in der Notaufnahme rein, warte kurz, weil der Doc noch telefoniert hat und als er aufgelegt hat, fragt er mich: „Hallo, kann ich Ihnen helfen?“ Ich so: „Hallo, ich hab ne Tachykardie.“ Er guckte etwas ungläubig und fragte, wie es mir geht. Ich sag: „Joa, geht so.“  Ein Raum war frei, ich da rein, auf die Liege, schnell EKG Elektroden (oder wie das heißt) angelegt, angeschlossen. Huch… Der Doc war etwas irritiert glaub ich. Bis 230 Schläge pro Minute. Dann fragte er natürlich nach der Vorgeschichte, ich ihn darüber aufgeklärt. Und es war klar, dass er ein Medikament spritzen muss. Also Zugang gelegt, noch schnell Blut abgenommen, Infusion mit Kochsalzlösung angehängt, er hat noch kurz erklärt, dass dann das Herz aussetzen wird und nach einigen Sekunden quasi resettet wird. Und hoffentlich dann normal weiter schlägt. Zur Sicherheit noch den Defibrillator reingeholt, Tochter rausgeschickt dann geht’s los.

Hat zum Glück geklappt. Naja, ich hatte damit gerechnet… Und so war dann auch nach gut 30 Minuten der Spuk vorbei.

Der Doc meinte zu mir, ich wäre sehr tapfer, und es wäre eher selten, dass jemand mit 230 Puls zu Fuß in die Notaufnahme kommt und sagt: Hallo, ich hab ne Tachykardie. Und der Pfleger setzte noch drauf: andere kommen wegen Kopfschmerzen in die Notaufnahme.  Das war dann schon wieder echt witzig… Die erleben bestimmt so einige skurrile Geschichten dort.

Ich hab noch schnell nen Selfie gemacht:

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Dann durften wir gehen.

So waren wir nach knapp zwei Stunden von unserem Ausflug wieder zuhause.  Und leider, und deshalb komme ich auf den Titel meines Blogbeitrags… war mein Tee kalt.

Na ja, es gibt durchaus Schlimmeres.  😉

Zum Abschluss noch zwei Fotos vom Inneren der Notaufnahme, für die, die da noch nie drin waren.

Ihr verpasst nix, bleibt da bloß weg!!!

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Schnelle Urteile…

Ich war heute beim Hals-Nasen-Ohrenarzt. Das ist für mich mit die schlimmste Art von Ärzten, die es gibt. 🙁 (sorry)

Aber was sein muss, muss sein. Da ich schon länger unter einer Gangunsicherheit leide, war meine Neurologin der Meinung, ich müsse das mal abklären lassen, ob es Lagerungsschwindel ist. Hat sie auch Recht. Sie hat mir dann auch noch einen Doc empfohlen, bei dem ich noch nie war. Das war ein guter Tipp von ihr, ein toller Arzt.

Da ich ja noch nie bei ihm war, musste eine ausführliche Anamnese her. Ich erwähnte dann unter anderem meine drei Hörstürze, die ich vor 10 Jahren innerhalb von zwei Monaten hatte. Nach den ersten Untersuchungen war dem Doc klar, dass es sich bei mir nicht um einen Lagerungsschwindel handelte. Das hatte ich für mich selbst anhand meiner Symptome auch schon ausgeschlossen. Er tippte anhand der Untersuchungen auf zentralen Schwindel. Der ensteht im Gehirn und nicht im Innenohr. Und da ich so einige Stellen im Gehirn habe, die nicht mehr so ganz frisch sind 😉 , hat er das relativ sicher bestätigt, was ich vorher schon vermutet hatte. Es liegt höchstwahrscheinlich an meiner MS. Die ist und bleibt ne blöde Zicke.

Der Doc kam dann auf die Idee, ob meine Hörstürze eventuell die ersten Symptome der MS waren. Immerhin schon zehn Jahre her. Das hilft mir natürlich nicht weiter und ändert nichts, aber im Rückblick würde das durchaus Sinn machen.

Mir fiel dann plötzlich ein, dass ich damals bei der Gleichgewichtsprüfung gnadenlos durchgefallen war. Und der HNO-Arzt zu mir sagte:
„Was überhaupt nicht funktioniert, ist ihr Gleichgewichtssinn.“
Ich: „Wie, der funktioniert nicht…?“
Doc: „Ne, der funktioniert nicht.“
Das Ganze wurde damals aber nicht verfolgt und hinterfragt, warum das so war.

Dieses ganze Thema Hörsturz ist offenbar immer schwierig. Selten lässt sich wohl ein direkter Auslöser ermitteln. Bei mir lief das damals ganz klassisch ab (wahrscheinlich wie bei vielen anderen Patienten).
Da kommt die Frage vom Doc:
„Haben Sie Stress?“
Ich: „Nein, ich hab keinen Stress.“
Doc: „Haben Sie Kinder?“
Ich: „Ja, zwei.“
Doc: „Ok, also haben Sie Stress.“
Man findet keinen Auslöser, also muss es Stress sein. Das ist ganz schön ätzend, finde ich. Aber es ist halt einfacher, jemanden in die vorgefertigte Schublade zu stecken. Statt den Patienten ernst zu nehmen und ihm zu glauben: „Nein, zwei Kinder zu haben empfinde ich nicht als Stress…sondern machen mich glücklich.“

Eigentlich ist es total schnuppe, wie das damals war und ob mich die MS hinterrücks überfallen hat. Es ändert gar nichts. Ich könnte im Rückblick einige Dinge finden, für die ich keine Erklärungen hatte und so eventuell hätte. Bringt mir aber auch nichts.

Was ich aber mit Überzeugung sagen kann:

Mein Leben kann ich in den letzen Jahren durchaus als kurios bezeichnen. Und unvorhersehbar. Und auf keinen Fall langweilig…

Aber ist das nicht eigentlich bei jedem so? 😉