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Berlin…ick komme.

Am Samstag mache ich mich auf den Weg nach Berlin. Da warten mehrere Sachen, auf die ich mich freue.

1. meine Schwester fährt mit 😍

2. Wir besuchen unsere Tante und unseren Onkel, die wir zwischenzeitlich viele Jahre nicht gesehen hatten, wir uns aber letztes Jahr „wiedergefunden“ haben 🙋🏼‍♀️

3. Wir sehen unseren Cousin wieder, mit dem wir immer unglaublich viel Spaß haben 🙋🏻‍♂️

4. Das Turnfest! 🏐

2005 waren wir schon einmal in Berlin auf dem Turnfest. Wir legen unseren Schwerpunkt auf den Faustball (das ist keine Überraschung 😉). Da sehr viele Faustballer beim Turnfest aktiv spielen werden (wir gehören NICHT dazu), werden wir viele Bekannte treffen. Und viele habe zumindest ich lange nicht mehr gesehen.

Da ich dieses Jahr keinen Urlaub machen werde, freue ich mich ganz besonders auf diese Woche. Und da wir mit dem Zug fahren werden, kann uns noch nicht mal eine Vollsperrung der Autobahn aufhalten. Der sind wir letzte Woche knapp entkommen, hatten aber trotzdem statt 2 Stunden fast 4 gebraucht. Ich bestelle dann noch vorsichtshalber schönes Wetter…das kann nicht schaden. ☀️😎 Berlin…ick komme. weiterlesen

Offenbar wirkt’s.

Morgen erreiche ich eine magische Grenze. Also MEINE magische Grenze. Die liegt bei 100.000 Einheiten. Wenn man mir letztes Jahr im Oktober so eine Zahl um die Ohren gehauen hätte, hätte ich wohl zurückgehauen. Oder einen Vogel gezeigt. Ich fand mich schon mutig, dass ich 10.000 i.E. genommen habe. Komisch, mir eine Spritze ins Bein zu stechen, war normal. Aber Zeiten ändern sich, und ich finde das oft gut.

Aktuell kann ich sagen, es geht mir besser. Meine Schwester, die mich besser als jeder andere Mensch kennt (liegt wahrscheinlich daran, dass sie mich schon IMMER kannte 😉) hat jetzt schon mehrmals bemerkt, dass ich fitter wirke. Körperlich und auch vom Kopf her. Gestern haben wir draußen gesessen und gespielt. Vor einem Jahr hätte ich nach max 45min aufgehört. Nicht, weil ich keine Lust mehr hatte, sondern weil es nicht mehr ging. Ganz langsam aber sicher wird es nicht mehr ständig schlechter, ich glaube tatsächlich, es wird besser. Also ich als Gesamtpaket. Die Augen stressen zwar immer noch (spazieren gehen ist sehr anstrengend für meine Augen und mein Gehirn), aber meine Kraft kommt etwas wieder. Meiner Physio ist aufgefallen, dass ich meine Hose besser anziehen kann. Ohne mich anzulehnen. Ja,  das hab ich auch gemerkt. Sehr gutes Gefühl.

Über Pfingsten fahre ich nach Berlin, besuche Onkel, Tante und Cousin und genieße als Zuschauer das deutsche Turnfest. Es wird sicher anstrengend, aber auch schön. Ich freue mich jeden Tag, dass ich so etwas machen kann. Und ein normales Leben führe. Neulich habe ich einen Beitrag geschrieben über drei schöne Dinge jeden Tag. Die jeden Tag zu finden ist eine gute Sache.

Ab morgen heißt es: sechsstellig. Auch wenn es nicht ums Geld geht… 😇

Erinnerung an alte Zeiten… DDR Teil III

Hier geht’s weiter mit der DDR-Reihe und „echten“ Erinnerungen…

Jemand, der in Berlin zeitweise lebt oder gelebt hat, lernt natürlich zwangsläufig ehemalige DDR-Bürger kennen. Aber wie das mit Dir, Du lebst ja in Hamm, das ist ja wirklich tiefster Westen, welche Beziehung hast Du zur Einheit und zu Bürgern der ehemaligen DDR?

ANKE: Du sagst es, wir sind tiefster Westen. Und dazu auch nicht so eine bekannte Stadt, dass „Ossis“ unbedingt den Weg nach Hamm gesucht haben. Dafür sind andere Städte im Umkreis größer und bekannter: Dortmund, Bochum, Köln, Düsseldorf, Münster. Ich habe nicht wirklich mitbekommen, dass plötzlich Menschen aus der DDR oder aus Ostberlin hier wohnten. So bestand wieder mein einziger Kontakt zur Ex-DDR über den Sport. Ich habe einige Spielerinnen kennengelernt, die aus dem Osten kamen. Sie waren nicht anders als wir und meist wie wir alle Teamplayer, Sportler eben. Viele haben aber die DDR-Zeit wahrscheinlich nicht bewusst oder gar nicht erlebt. Dafür sind die, die ich persönlich kenne, zu jung.
Die seltenen Male, dass ich durch die DDR gefahren bin, fand ich erschreckend. Der Zaun an der Autobahn, davor ein Streifen von „Nichts“, die Landschaft hinter dem Zaun war meistens karg. So habe ich es in Erinnerung. Meine Schwester hat mir erzählt, dass es sehr wohl eine DDR Nationalmannschaft bei den Frauen gab. Bei offiziellen Länderspielen gegen Österreich (Österreich stellte lange außer der BRD die einzige Frauen-Nationalmannschaft in Europa) spielte die DDR nicht mit. Sie durften nicht ausreisen. Ein Jahr nach der Wiedervereinigung hat es dann aber doch ein Länderspiel BRD – DDR gegeben, weil die Faustball-Organisationen noch nicht vereinigt waren und man deshalb endlich ein erstes – und letztes – Spiel gegeneinander spielen konnte. Der Deutsche Faustball Verband der DDR wurde am 27.04.1958 gegründet und trat 1990 dem Deutschen Turner Bund bei. Seitdem gibt es eine Nationalmannschaft mit der Aufschrift DEUTSCHLAND auf dem Rücken des Trikots und das finde ich großartig.

Dass plötzlich die Mauer weg war und die Menschen aus der DDR und Ostberlin endlich ausreisen durften…das fand ich wunderbar. Es war für mich immer unvorstellbar gewesen, dass die Menschen nicht in den Urlaub fahren konnten, andere Länder zu besuchen einfach unmöglich war. Wie eingesperrt zu leben, nicht frei zu sein, das muss tatsächlich schrecklich gewesen sein.

In dem Beitragsbild oben sieht man übrigens das Maifeld vor dem Berliner Olympiastation beim Deutschen Turnfest 2005 mit den zahlreichen Faustballfeldern. Teilgenommen haben extrem viele Faustballteams aus ganz Deutschland, wahrscheinlich, weil Berlin für alle besonders reizvoll war.

Das Internationale Deutsche Turnfest ist die größte Wettkampf- und Breitensport-Veranstaltung der Welt und damit ein Fest der „Superlative“.

Mit über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand das Turnfest bereits 2005 in der Hauptstadt statt und war ein großer Erfolg.

Quelle: Turnfest.de

 

Du hast geschrieben, dass du in der Militärzeit nach Berlin gereist bist und du einen Tag in Ostberlin warst. Du hast von der Demo erzählt, die du erlebt hast. Was ging wohl in den Köpfen der Menschen vor, die du da gesehen hast? Hast du dich mit Einigen unterhalten?

ROLAND: Ehrlich gesagt, war ich sehr verhalten, um nicht zu sagen: ängstlich. Ich fand die Stimmung sagenhaft bedrückend. Alles war grau und erdfarben. Der Sicherheitsoffizier hatte mir gesagt, ich solle mich von Demos fernhalten. Gleich in den ersten Minuten in Ostberlin erlebte ich einen Unfall, zwei Trabbis fuhren zusammen, mit voller Wucht. Wenn ich mich recht entsinne, Rechts-vor-Links-Fehler. Das Geräusch war sonderbar. Als ob man einen Joghurtbecher in der Hand zerdrückt. Wäre das Quietschen der Reifen nicht zu hören gewesen, hätte es mehr nach einem technischen Vorgang als nach einem Unfall geklungen. Es gab mehrere Schwerverletzte. Aber es kümmerte sich niemand darum. Ein sowjetischer Militärkrankenwagen fuhr einfach vorbei, obwohl die Schwere des Unfalls offensichtlich war. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis etwas passierte. Das Rettungspersonal wirkte unbeholfen. Sie sahen aus wie Verkäufer aus der Wurstabteilung eines Kaufhauses. Dann sah ich vielleicht eine halbe Stunde später eben diese Demo. Sie war übrigens dort, wo jetzt das Schloss gebaut wird. Ich habe wie gesagt nicht mit den Demonstranten gesprochen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie mit mir gesprochen hätten. Ich war aus dem Westen. Dieser Oktober 1989 war ja bezeichnend: ungefähr eine Woche vor meiner eintägigen Reise nach Ostberlin war die DDR vierzig geworden. Ich war zuvor auf der Frankfurter Buchmesse gewesen. Ich war auch am Stand der DDR gewesen, weil ich mich damals sehr für DDR-Kunst sehr interessierte, die ja nun fundamental anders war als die Kunst der Bundesrepublik. An dem Stand war man in einer ganz ominösen Feierstimmung. Dort kam ich tatsächlich mit einem Mitarbeiter eines DDR-Kunst-Verlages ins Gespräch. Ich sagte ihm, dass ich ein bestimmtes Buch bei meiner Tour nach Ostberlin kaufen wolle. Er sagte wörtlich: Es kann sein, dass es vergriffen ist. Ich konnte das in meiner Naivität gar nicht begreifen. Wie kann eine Neuerscheinung vergriffen sein? Vor allem ein Buch was, wenn ich mich recht entsinne, 100 Ostmark kostete. Ich betreute damals so ein bisschen den Stand eines Essener Galeristen auf der Buchmesse. Ich erzählte ihm das alles und er meinte so lapidar: „Na ja, einen 41. Geburtstag werden die wohl kaum feiern.“ Ich fand diesen Gedanken einleuchtend, aber auch undenkbar. Im Fliegerhorst kamen damals täglich Fernschreiben zu der Lage im Osten an. Wir waren ja eine NATO-Truppe. Hinzu kam, dass ich auf der Buchmesse am Stand eines DDR-Militärverlages gewesen war und in einem Buch über Taktik geblättert hatte. Da war in den möglichen Angriffsszenarien des Warschauer Paktes auch unser Fliegerhorst vermerkt. Dieses ganze Wissen nahm ich gewissermaßen als Gepäck mit nach Ostberlin. Kurz nach dem Feiertag zum Jahrestag war Honecker gestürzt worden. Egon Krenz hatte sehr eindeutige Aussagen nach dem Massaker am Pekinger Platz des Himmlischen Friedens im Juni 1989 gemacht. Das ließ Schlimmes befürchten. Was damals in den Köpfen vieler DDR-Bürger vorging, habe ich erst nach dem Mauerfall erfahren, durch viele Gespräche. Sagenhaft gut ist es wirklich in der Serie WEISSENSEE – ich weiß, ich wiederhole mich – verarbeitet.

…demnächst die Fortsetzung…

Erinnerungen an alte Zeiten… DDR Teil II

…jetzt geht’s weiter mit der „DDR-Reihe“…

 

Mit welchen Gefühlen hast Du denn damals den DDR-Sport gesehen? Habt Ihr auch mal gegen „DDR-ler“ gespielt? Gab es Faustball überhaupt in der DDR? Und wie hat sich auf diesen Sport die Wiedervereinigung ausgewirkt?

ANKE: Nein, ich habe nicht gegen „DDR-ler“ gespielt, dafür war ich wohl zu jung. Aber es gab eine Nationalmannschaft der DDR bei den Männern, soweit ich weiß. Nach der Wende änderte sich für uns ziemlich viel, weil die Landesturnverbände neu geordnet werden mussten. Es kamen neue Landesturnverbände hinzu, wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern („Meck Pomm“), Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das führte dazu, dass wir „Westfalen“ plötzlich zur Regionalgruppe Nord zählten, weil es nach der Wiedervereinigung den „Osten“ gab… Für uns war das ärgerlich, statt wie vorher führend in der Regionalgruppe West zu sein, hatten wir plötzlich ganz schlechte Karten in der Regionalgruppe Nord. Zwischen den starken Niedersachsen fielen wir nämlich quasi unten durch. Das betraf vor allem den Jugendbereich. In der 1. Bundesliga gab es damals Nord und Süd, in der zweiten Bundesliga waren es dann Nord/West/Ost/Süd. Natürlich war das zwar für uns sportlich ärgerlich, aber auch spannend. Da waren auf einmal Teams, von denen man nie vorher gehört hatte, zum Beispiel SV Kubschütz, SG Bademeusel, FSV Hirschfelde. Wir sind ein Jahr zu einer Jugend-DM gefahren. Auf der Autobahn stand an unserer Ausfahrt: Letzte Ausfahrt vor Polen und auf dem Sportplatz beim SG Bademeusel hatte man manchmal polnisches Netz am Handy. Die Sportplätze und die Sporthallen waren häufig nicht besonders modern, aber das kannte man auch von anderen Landesteilen im „Westen“.

Hast du heute persönliche oder auch geschäftliche Kontakte in die ehemalige DDR? Und siehst du einen konkreten Unterschied zwischen den ehemaligen „Ost- und Westbürgern“?

ROLAND: Bevor ich darauf eingehe, möchte ich noch etwas zu der Zeit meiner Ausbildung als Werbekaufmann sagen. Wir waren 1991 einer der ersten Klassen, in der Wessis und Ossis gemischt waren. Es sprossen nämlich damals sagenhaft viele Agenturen aus dem Boden. In Berlin war ja völlig abgeschnitten von den Märkten und bis heute hat kein deutsches Weltunternehmen sein Headquarter in der Hauptstadt. Im Osten der Stadt gab es eine Agentur, in der – offenbar die Ex-SED – Geld geparkt hatte, nennen wir das mal so höflich. Sie hatte die modernste IT, die man sich denken kann. In der Spitze saßen nur ehemalige Genossen. Von den Westdeutschen wurden die natürlich gemieden. Sie war rein ostdeutsch –alles war und blieb bei denen der Vergangenheit verpflichtet. In der Betriebsmasse müssen Millionen gesteckt haben. Man muss nicht weiter rätseln, wen sie so als Kunden hatten. Die Agentur gibt es heute noch. Als Texter, der für große Agenturen arbeitet, muss ich sagen, dass es für mich im Grunde keine Trennung von Ost und West, sondern eher zwischen Berlin und Rest-Deutschland gibt. Mit Ostdeutschen arbeite ich natürlich oft zusammen. Sie müssen es mir nicht sagen, meistens erkenne ich sie sofort. Und das liegt nicht am Akzent. Es ist eine Haltung, eine Position, eine bestimmte Haltung gegenüber Vorgesetzten beispielsweise. Auch in der Kreation denken sie häufig, sagen wir, systemtreu, sehr dem Kunden verpflichtet, wollen, dass er bekommt, was er erwartet. Das schließt Überraschungen, die ja auch positiv sein können, aus. Sie tanzen ungern aus der Reihe. Diese Erfahrung mag sehr subjektiv sein, aber ich kann mit keiner anderen dienen. Dieses Denken bietet sich übrigens, wie ich finde, sehr für die Arbeit mit Großkonzernen an. Aber es hat da auch viele Veränderungen gegeben. In den frühen 90ern habe ich viele Ostdeutsche kennengelernt, die auf Wessi machten. Weißt Du noch, damals Pink Floyd, Frank Zappa, wir in den 70ern und 80ern und zählten dann legendäre Konzerte auf, auf denen sie nie waren… das klang echter als echt. Es war diese 100%ige Authentizität. Sie haben sie in einer Art Nachholbedarf filmisch, angehört und angelesen wahrgenommen, aber eben nicht in Echtzeit. Noch komischer fand ich allerdings die Wessis, die dann in den 90er Jahren in den Prenzlauer Berg gezogen sind und allen Ernstes von „wir im Osten“ sprachen. Schade nur, dass das oft schwäbisch klang. So oder so wurde die eigene Identität zum Faktor der Selbstbehauptung und eben auch der Abgrenzung. Man war stolz auf das Etagenklo, auf Hausgemeinschaft, Broiler und Spree-Quell. Ich empfand dieses völlig notorische und neurotische Verbal-Gewichse als kleinkariert. Diese Leute wollten partout anders als alle anderen sein, wurden aber in ihrem vermeintlichen Avantgardismus zu echten Spießern. Sie kauften auf dem Flohmarkt dann DDR-Klamotten und fanden das dann hip, es mit ihrem eigenen Style zu kombinieren. That was not my cup of tea. Aber zu Deiner ursprünglichen Frage: Ich habe ein paar wenige Freunde, die aus der DDR stammen, meistens aber vor 1989 schon in den Westen kamen. Sie sind mir wirklich wichtig und vor allem wichtig für meinen Lebensweg gewesen.

…to be continued soon…

Erinnerungen an alte Zeiten… DDR Teil I.

Am letzten Samstag war der 3. Oktober. Ein ganz besonderes Datum. An diesem Tag wird seit 25 Jahren die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten gefeiert. Ein Grund, dass mein Cousin Roland mir eine Frage stellte:

„Warst du mal in der DDR, als es sie noch gab?“

In meinem Kopf taten sich einige Fragezeichen auf…war ich das? Meine Antwort an ihn war: „Ja, in Ostberlin auf Klassenfahrt und durch die DDR nur durchgefahren. Ich kann mich leider kaum daran erinnern“. Antwort von Roland: „Dann krümele was aus deinen Resterinnerungen zusammen.“

Seine Idee war, dass wir uns gegenseitig „interviewen“. Das Ergebnis könnt ihr hier lesen, ich fange an mit Teil I…


Sag mal, Kurze…

… Du warst doch immer Faustballerin. Warst Du auch mal in der DDR? Welchen Eindruck hattest Du von dem Land und von den Menschen?

ANKE: Als Faustballerin habe ich die DDR nur im Auto auf dem Weg nach Berlin zum Bundesliga-Spiel erlebt. Ich kann mich genau an eine Situation erinnern, als wir an der Grenze (zur DDR) mit unserem Vereinsbulli (ein alter VW) herausgewunken wurden. Wir hatten in der Warteschlange vor der Grenze wegen der Hitze die Schiebetür geöffnet. Uns (Trainer, Betreuer, plus ca. 6 Spielerinnen) wurde etwas mulmig. Schließlich will man ja nicht unangenehm auffallen.  Der Grenzbeamte in DDR-Uniform (durchaus sympathisch), steckte den Kopf rein und guckte… wollte wissen: wohin und warum. Und dann fragte er: „Alle schon 18?“. Ich war auch in meinem Team die Kurze, mit gerade 18 Jahren. Alle nickten also und antworteten brav „Ja.“. Dann sprach er explizit meinen Bruder an, der als Betreuer auf dem Beifahrersitz saß: „Sie auch?“. Wir mussten uns zusammenreißen, nicht laut zu lachen. Mein Bruder nickte und sagte ganz zackig: „Ja.“. Dann durften wir weiterfahren (an der ganzen, langen Schlange vorbei!) und das Gelächter war groß. Mein Bruder war damals schon 30.

Sag mal, Großer…
…Du bist doch irgendwann aus der Gegend um Oldenburg nach Berlin umgezogen. Wie hast du diese Zeit erlebt, war Berlin damals noch geteilt?

ROLAND: Nein. Das war nach der Wende. Ich bin auch oft durch die DDR gefahren und im Oktober 1989 war ich für einen Tag in Ostberlin. Ich habe eine große Demo erlebt. Ein Funktionär wurde ausgebuht. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Ich war damals Soldat beim Jagdbombergeschwader 43 in Oldenburg und musste diese Reise vorher anmelden, obwohl es nur eine Berlin-Reise war. Das tat ich auch und der Sicherheitsoffizier, der mich belehrte, fragte auch, ob in den Osten wolle. Er war sehr freundlich, ein für mich damals älterer Mann, heute bin ich allerdings sicherlich älter als er, gab mir den Rat, unbedingt nach Ostberlin zu fahren. Es war kurz nach dem Sturz von Honecker. Er meinte, es wären weltpolitische Bewegungen dort im Gange, wie man sie wahrscheinlich nie wieder erleben würde. Ich müsse es mir ansehen. Davon könnte ich dann meinen Enkeln noch erzählen. Es war, wenn ich das mal so salopp sagen darf, der Rat meines Lebens. Ich habe dann nach der Wende diese Umbrüche wirklich aufgesogen – und zwar alles. Kunst, Kultur, Menschen. Wer diese Zeit erlebt hat – und das war meiner Meinung nach schon 1993 vorbei, sieht das heutige Berlin durchaus kritisch. Ich kam auch gerade bei den Ostberlinern gut an, muss ich sagen. Das war keine Selbstverständlichkeit. Ich habe immer interessiert, aber vorurteilsfrei gefragt. Das hat viele gefreut. Ältere Menschen machte es allerdings eher aggressiv, sie witterten wohl eine Hinterhältigkeit in der Frage. Während meiner Ausbildung als Werbekaufmann in Berlin sollte ich für die Berufsschule ein Referat über die RAF halten. Ich schrieb dem ehemaligen Geheimdienstchef der DDR, Markus Wolf einen Brief, was er über die in die DDR geflüchteten RAF-Mitglieder wüsste. Er schrieb mir schnell zurück – handschriftlich. Er wisse nichts von alledem. Dieses „nichts wissen“, was eine Lüge war, und seine Handschrift, die so sehr sauber, schnörkellos und auf eine ganz ominöse Weise gradlinig und einer formalen Logik unterworfen war, ist für mich heute fast symbolisch für die DDR und ihren Untergang. Brief_Wolf_1993_ohne

WEISSENSEE, diese wunderbare ARD-Serie, führt uns das ganz vor die Augen.

To be continued…. 😉